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Fein- und Graphomotorik





Als Graphomotorik bezeichnet man die Schreibbewegungen. Schreiben und Sprechen sind die feinsten Koordinationsleistungen des Menschen.

Bild Schulkind
Das Erlernen des Schreibens ist ein sensomotorischer Prozess, d. h. Motorik und Wahrnehmung müssen gut miteinander arbeiten, damit ein Kind schreiben lernen kann.

Folgende Voraussetzungen müssen gegeben sein:
  • Das Kind muss seinen Rumpf stabil halten können, der Schultergürtel darf nicht fixiert (angespannt) sein.
  • Das Kind muss Schulter, Arm, Hand und Finger(spitzen) gut spüren und koordinieren können bzw. einen angemessenen Krafteinsatz entwickeln können.
  • Der Schreibstift muss richtig gehalten werden.
  • Die Körpermitte muss überkreuzt werden.
  • Die Handdominanz muss entwickelt sein.
  • Rhythmusgefühl muss entwickelt sein.
  • Die Leistung der visuellen Wahrnehmung darf nicht eingeschränkt sein. Das bedeutet z. B.:
    — Die Hand-Augen-Koordination muss gut entwickelt sein,
    — Formen müssen erkannt und unterschieden werden,
    — Linien müssen fließend mit den Augen verfolgt werden können,
    — die Lage eines Gegenstandes oder einer Form im Raum muss erkannt werden,
    — Eine Figur muss vom Hintergrund unterschieden werden können.

    Um so eine komplexe Leistung wie das Schreiben zu erlernen, muss das Kind also eine sehr differenzierte Feinmotorik entwickelt haben. Dies kann nur geschehen, wenn die Entwicklung des Kindes regulär verläuft und es nicht etwas aufgrund einer Wahrnehmungsstörung bestimmte Entwicklungschritte ausläßt.
    So entwickelt sich die Hand-Hand-Augen-Koordination bereits ab dem dritten Lebensmonat, wenn das Kind beginnt, die Schultern von der Unterlage abzuheben, und so die Hände vor seinen Augen zusammenbringen kann. Kinder die sich z. B. wegen einer Irritation des Gleichgewichtssystems im Schultergürtel fest machen, können das nicht.
    Ein gutes Gefühl für die Gesamtheit der Hand, also auch des Handtellers, entwickelt das Kind, wenn es sich mit ca. fünf Monaten aus der Bauchlage auf die Hände hochstützt. Kinder, die die Bauchlage vermieden haben, können häufig sehr gut mit den Fingerspitzen "pfriemeln", haben aber für den Rest der Hand wenig Gespür.
    Im Alter von drei bis sieben Jahren lernt das Kind, mit einfachen Werkzeugen wie Messer, Gabel, Schere und Stift umzugehen. Es übt das Zusammenspiel beider Hände, wobei eine Hand den Gegenstand hält, während die andere Hand Präzisionsbewegungen ausführt. In diesem Alter sollte die Händigkeit feststehen.
    Die lockere Stifthaltung im Drei-Punkte-Griff ist in der Regel mit vier bis fünf Jahren möglich.

    Bedenkt man, welch ein kompliziertes, komplexes Zusammenspiel verschiedener Fähigkeiten vonnöten ist, um Schreiben zu lernen, ist es eigentlich erstaunlich, wie selbstverständlich Kinder es in der Regel dennoch tun.

    Graphomotorisches Training bedingt also demnach ein genaues Forschen nach den Ursachen für die Probleme und ein Arbeiten in verschiedensten Bereichen, um im Endeffekt eine Verbesserung der Feinmotorik zu bewirken.



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