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AD(H)S




Die Abkürzung steht für das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit oder ohne Hyperaktivität.

Die Kern-Symptome sind
— Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen
— Impulsivität: Handeln ohne vorher nachzudenken
— motorische Unruhe (bei einem Teil der Kinder)

Die Diskussion um das AD(H)S ist nach wie vor heftig. Die einen meinen, es sei eine "Modediagnose", eine "Zivilisationskrankheit", bedingt durch falsche Erziehung, zu viel Fernsehkonsum, zu viele Computerspiele, zu wenig Bewegung etc. Andere sprechen von einem behandlungsbedürftigen Krankheitsbild.

Seit den fünfiziger Jahren des letzten Jahrhunderts beschäftigt sich die Wissenschaft mit der Erforschung von Ursachen und Behandlung.
Heute weiß man, dass das AD(H)S eine Funktionsstörung im Gehirn ist. In bestimmten Hirnarealen ist das System der Botenstoffe, die Reize von einer Nervenzelle zu anderen transportieren, ins Ungleichgewicht geraten. Dadurch werden ankommende Reize nicht ausreichend gefiltert, so dass das Kind unter einer ständigen Reizüberflutung leidet. (Siehe auch unten bei "Ursachen".)

Reizüberflutung bedeutet Stress und Überforderung und führt zu vielerlei Auffälligkeiten:
— geringe Frustrationstoleranz
— starke Stimmungsschwankungen, extreme Wutanfällle
— mangelnde Strukturierung (Handlungen können ohne Hilfe nicht durchgeführt und beendet werden)
— Vergesslichkeit (insbesondere im Kurzzeitgedächtnis, wohingegen das Langzeitgedächtnis erstaunlicherweise extrem gut sein kann)
— Schulprobleme, häufig Teilleistungsstörungen wie Lese-Rechtschreib-Schwäche, Rechenschwäche... Die Kinder können aufgrund der Aufmerksamkeitsprobleme nicht ihrer Intelligenz entsprechend lernen.
— soziale Probleme: Die Kinder werden aufgrund ihres Verhaltens zu Außenseitern, das führt wiederum zu Agressivität
— grob- und feinmotorische Koordinationsprobleme
— u. a. m.



Diagnostik

Die Diagnostik muss stets von einem Arzt, in der Regel von einem (einer) Kinder- und Jugendpsychiater(in) durchgeführt werden. Sie erfordert eine gute Zusammenarbeit zwischen Arzt, Eltern, Lehrern, Erziehern und Therapeuten. Sie setzt sich aus Beobachtungen aller Beteiligten, der Basisdiagnostik des Arztes / der Ärztin und der Differenzialdiagnostik zusammen.



Ursachen

Die entscheidenden Erkenntnisse zu den Ursachen wurden erst im Laufe der letzten 20 Jahre gewonnen. Der Verdacht auf eine genetische (erbliche) Disposition konnte inzwischen weitgehend gesichert werden.
Doch nicht allein die Vererbung spielt eine Rolle, auch Umgebungsfaktoren sind von Bedeutung. Je nachdem, ob ein Kind in einer liebevollen, strukturierten Umgebung aufwächst oder nicht, können die Symptome mehr oder weniger stark ausfallen.



Behandlungsmöglichkeiten

AD(H)S ist keine reine Entwicklungsstörung, die sich mit der Pubertät "auswächst". Zwar bilden sich bei etwa einem Drittel der Kinder die Auffälligkeiten zurück. Viele behalten die Symptome jedoch ein Leben lang und müssen lernen, damit zurecht zu kommen.
AD(H)S ist nach dem heutigen Erkenntnisstand eine chronische Erkrankung und nicht heilbar.
Eine Behandlung zielt deshalb darauf, die Verhaltensstörungen soweit zu regulieren, dass die betroffenen Kinder sich normal entwickeln und stabile soziale Beziehungen aufbauen können, da sonst das Auseinanderbrechen der Familien ebenso droht wie das Abrutschen in Kriminalität und Drogenkonsum.
Unerlässlich ist die Information, Anleitung und Begleitung von Eltern und Kind
Individuelle Therapiemaßnahmen wie
— Ergotherapie,
— Verhaltenstherapie,
— Psychomotorik,
— Familientherapie etc.
sind immer vom Arzt / von der Ärztin zu verordnen bzw. mit dem Arzt / der Ärztin abzusprechen, insbesondere die Behandlung mit Psychopharmaka (am bekanntesten sind Ritalin und Medikinet), da die Anzahl der Behandlungsangebote mittlerweile riesig und unübersichtlich ist.
Es gibt Elterngruppen zu diesem Thema (in Göttingen z. B. zu erfragen über den Elternverein EIFER, siehe Links & Literatur zum AD(H)S).



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